INFORMATION DER DGUV

Auf Grundlage der geänderten Medizinprodukte-Betreiberverordnung wurden in der überarbeiteten Ausgabe der DGUV Information 204-010 insbesondere die für den betrieblichen Einsatz eines AED vereinfachten Anwendungsvoraussetzungen berücksichtigt.

Eine ständig wachsende Zahl von Unternehmen beschäftigt sich mit dem Thema Frühdefibrillation. Bei der Organisation der Ersten Hilfe haben bereits viele Unternehmen AED beschafft und ihre Mitarbeiter entsprechend unterwiesen.

Die überarbeitete und aktualisierte DGUV Information soll den Betrieben die Einsatzmöglichkeiten und organisatorischen Rahmenbedingungen verdeutlichen, die AED Gerätetechnik in einfacher Weise erläutern und insbesondere die nötige Qualifizierung der betrieblichen Ersthelfer aufzeigen.

 

Quelle: DGUV

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HERZ-LUNGEN-WIEDERBELEBUNG

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Thorax in den Entlastungsphasen einer CPR (cardiopulmonary resuscitation - Herz-Lungen-Wiederbelebung) in den Ausgangszustand zurückbewegt, korreliert mit der Chance des Patienten, den Herzstillstand (in guter neurologischer Verfassung) zu überleben.

Bei der Reanimation per Herzdruckmassage kommt es nicht nur darauf an, dass die Qualität der Kompressionen stimmt, sprich Tiefe (5–6 cm), Frequenz (100–120/Minute) und Anteil (Kompression : Entlastung = 1 : 1).

Zur Optimierung des Blutflusses ist dazwischen auch eine vollständige Entlastung des Thorax notwendig. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg der kardiopulmonalen Reanimation scheint die Geschwindigkeit zu sein, mit der diese Entlastung erreicht wird (cardiac compression release velocity, CCRV). US-Daten zufolge sind Überlebensaussichten und neurologische Prognose besser, wenn sich der Brustkorb schneller wieder ausdehnt.

Bei der kardiopulmonalen Reanimation von 981 Erwachsenen mit außerklinischem Herzstillstand war die CCRV mit Hilfe des in Defibrillatoren integrierten Beschleunigungsmessers bestimmt worden. Sie betrug im Schnitt 324,7 mm/s. Als schnell galt eine mittlere Geschwindigkeit von mindestens 400 mm/s, sie wurde bei 10,5% der Patienten erreicht, als langsam Werte unter 300 mm/s. Von den Patienten – mittleres Alter 68 Jahre, 65% Männer – hatten 26% einen schockbaren Rhythmus; bei 25,4% wurde die Spontanzirkulation vor dem Eintreffen ins Krankenhaus wiederhergestellt. 11,2% konnten das Krankenhaus lebend verlassen, 9,0% in gutem neurologischem Zustand (Cerebral Performance Category- Score = 1 oder 2); von den Patienten mit schockbaren Rhythmen waren es 40,6%
und 33,8%. 

Lineare Assoziation zwischen CCRV und Überleben 

Der CCRV-Wert korrelierte mit dem Überleben: Bei schneller Dekompression überlebten 22,8% der Patienten, bei mittelschneller 12,0% und bei langsamer nur 6,7%. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich mit dem neurologischen Ergebnis: Günstig war es bei 17,7% der Patienten mit hoher, bei 10,4% mit mittlerer und bei 4,3% mit niedriger CCRV. Auch unter Berücksichtigung anderer Einflüsse war eine schnelle Dekompression im Vergleich zu einer langsamen mit einer signifikanten Verbesserung von Überleben und neurologischem Ergebnis verbunden (Odds Ratio, OR: 4,17 bzw. 4,51). Im Hinblick auf die Prognose quoad vitam brachte zudem auch die Steigerung von einer mittleren auf eine hohe CCRV einen signifikanten Vorteil
(OR: 3,08). Jeder Anstieg der CCRV um 10 mm/s erhöhte das Chancenverhältnis für das Überleben um 5,2%.
Bei Patienten mit schockbarem Rhythmus korrelierten ebenfalls beide Erfolgsparameter mit dem CCRV-Wert.

"Leaning" gefährdet CPR-Erfolg 

Die Studienautoren um Alexander Kovacs von der Universität in Phoenix erklären die positive Wirkung einer schnellen Dekompression mit dem höheren Sog im Brustkorb, der den venösen Rückstrom zum Herzen verbessert. Welche CCRV bei der Herzdruckmassage erreicht wird, hängt zum einem von der Thoraxphysiologie ab, lässt sich aber auch vom CPR-Anwender beeinflussen: Wenn er sich während der Entlastungsphase weiter auf das Brustbein stützt („leaning“), kann das neben der Vollständigkeit auch die Geschwindigkeit der Dekompression beeinträchtigen.

 

Quelle: springermedizin.de
Autor: Dr. Beate Schumacher

basierend auf:  Kovacs A et al. Chest Compression Release Velocity: Association with Survival and Favorable Neurologic  Outcome after Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Resuscitation 2015, online 29. April

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DEIN SMARTPHONE - DEIN RETTUNGSDIENST

Eine App, die freiwillige Helfer ortet und benachrichtigt, wenn in ihrer unmittelbaren Nähe ein Notruf abgesetzt wird - das Modell gibt es in Gütersloh.

In Deutschland dauert es durchschnittlich achteinhalb Minuten, bis der Rettungsdienst nach einem Notruf eintrifft. Das ist im internationalen Vergleich gut, für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand aber trotzdem fatal. "In den ersten Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit alle 60 Sekunden um zehn Prozent", sagt Clemens Kill, Leiter des Zentrums für Notfallmedizin am Universitätsklinikum Marburg.

Als besonders wichtig gilt deshalb die Mitarbeit der Bevölkerung. Doch "im internationalen Vergleich steht Deutschland bei der Tatkraft der zufälligen Ersthelfer miserabel da", sagt Kill. Wenn der Rettungsdienst kommt, haben nicht einmal in einem von fünf Fällen bereits Laien mit dem Reanimieren begonnen. In Skandinavien dagegen leisten in fast 70 Prozent der Fälle Angehörige oder Passanten diese wichtige Hilfe.

Umso wichtiger und beeindruckender ist das neue Projekt "Mobile Retter", das im Kreis Gütersloh vor einigen Monaten erfolgreich gestartet ist: Geht dort in der Rettungsleitstelle ein Notruf ein, erreicht inzwischen oft nach zwei bis drei Minuten ein qualifizierter Ersthelfer den Patienten.

Helfer in der Umgebung mobilisieren

Möglich macht das letztlich eine Smartphone-App. Jeder, der eine medizinische Qualifikation hat - dabei reicht normalerweise, beruflich mit Gesundheit, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz zu tun zu haben - kann sich die App herunterladen und ein mobiler Retter werden. Einmal eingeloggt, ortet sich das Handy und der Teilnehmer ist für den Computer der Rettungsleitstelle erreichbar.

Geht bei der Leitstelle ein Notruf ein, wird einerseits wie üblich der Rettungswagen alarmiert, der schnellstmöglich ausrückt. Parallel dazu prüft der Computer, ob ein oder mehrere mobile Retter in der Nähe des in Notlage geratenen Patienten sind. Ist dies der Fall, werden sie mit einem besonderen Ton auf ihrem Smartphone alarmiert. Sie können nun entscheiden, ob sie einsatzbereit sind oder nicht. Nimmt ein Helfer den Auftrag an, lässt er idealerweise alles stehen und liegen und ist wegen der räumlichen Nähe häufig vor dem Rettungswagen vor Ort.

Auf diese Weise wurde beispielsweise ein Patient mit Herz-Kreislauf-Stillstand reanimiert: Zwei Minuten, nachdem Passanten den Notruf abgesetzt hatten, konnte der mobile Retter die lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen einleiten. Er reanimierte, bis ein paar Minuten später der Rettungswagen eintraf. Auch die Mutter eines fünfjährigen Kindes, das einen Krampfanfall hatte, erhielt rasch Unterstützung von einem mobilen Retter, der sich gerade in der Nachbarschaft aufhielt. Rund 200 weitere Einsätze haben die Teilnehmer bislang angenommen. "Solche Ersthelfer, die wirklich früher eintreffen, dürften das eine oder andere Leben retten", sagt Clemens Kill aus Marburg.

Angemeldet sind gut 350 mobile Retter - das ist etwa ein Tausendstel der Bevölkerung der Region, in der das System läuft. Sowohl die mobilen Retter als auch der gleichnamige Verein arbeiten ehrenamtlich. Die Motivation ist hoch. "Am Anfang hatten wir die App nur fürs iPhone programmiert, da haben mir die Leute fast die Türen eingerannt, dass wir auch eine Android-Version herausbringen", sagt Ralf Stroop, Notfallmediziner und Ingenieur und einer der Erfinder des Systems.

Retter sollten wissen, was zu tun ist

Um die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen, könnte man die App nicht nur auf Menschen mit medizinischer Qualifikation beschränken, sondern für alle öffnen - also auch für Laien, die helfen wollen. Stroop glaubt allerdings, dass die Eingrenzung sinnvoll ist: "Dass ein mobiler Retter weiß, was er tun muss, ist extrem wichtig. Auch wenn die Teilnehmer alle eine medizinische Qualifikation haben, schicken wir sie noch einmal in eine kurze Schulung von ein paar Stunden mit den wichtigsten Sofortmaßnahmen", so Stroop.

Bei einem ähnlichen Projekt in Israel müssen die freiwilligen Helfer mehrmonatige Lehrgänge absolvieren, die insgesamt rund 200 Stunden dauern, bis sie zu den Ersthelfern gehören. Bei United Hatzalah, Vereinigte Hilfe, sind rund 2100 Freiwillige angemeldet, die im Jahr mehr als 270.000 Einsätze haben. Auch in Dänemark gibt es ein kleineres Smartphone-basiertes Helfersystem. Ansonsten existieren international nur wenige ähnliche Projekte.

Bei den mobilen Rettern in Gütersloh haben bereits einige Städte und Kreise angefragt, die an dem Modell interessiert sind. Laut Stroop wäre es nicht schwierig, das System in andere Regionen zu übertragen, vor allem komme es auf die Anpassung der Software der Rettungsleitstelle an. Stroop träumt schon davon, dass er in einigen Jahren mit seiner App in ganz Deutschland alarmiert werden kann, wenn ein Ersthelfer in der unmittelbaren Umgebung gebraucht wird.

 

Quelle: Spiegel-Online

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